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Wird heutige feinere Männerkleidung nicht eher geschlechtsneutral und weniger als

6. Januar 2012 um 11:48

Die Frage wurde in diesem Forum bereits gestellt: Gibt es heute Männermode?
Eigentlich gibt es sie - im Sinne betonter Männlichkeit - nur in der Jugendkultur jenseits der Arbeitskleidung, wo dann klischeehaft eine Haltung "des Mannes" werbetechnisch zelebriert wird.
Da heute so ziemlich "niemand" selbst schneidern kann und will und alles auch nur minimal Abweichende sofort sexuell oder psychologisch völlig überinterpretiert wird, entwickelt sich nichts darüber Hinausgehendes, Eigenständiges oder Freches - die Situation ist daher reichlich verarmt bis verklemmt - eben im höchsten Maße kleinbürgerlich.
Am krassesten sieht es bei Herrenanzug aus: Er will eine Norm erfinden, wie ein "anständiger Mann" vom Kopf bis Fuß auszusehen hat: die englische Norm des Geschäftsmannes und Politikers.
Solcherart Normen machen das Leben viel einfacher, weil man dann als öffentliche bzw. beobachtete Person nicht soviel falsch machen kann. es entstresst also erstmal. Allerdings darüber auch jeder kleine " Fehler", jede kleine Abweichung sehr ernst genommen.Man muß sie also gut begründen.
In der Welt der Anzüge dient Kleidung nicht der Herausstellung der Besonderheit der Person, sondern der Einfügung der Person in eine Welt der Regeln, der bürgerlichen Verhaltens- und Geschäftsregeln.
Damit hat hier Kleidung nur eine rein dienende Funktion, sie ist ein Instrument und Symbol von und für etwas anderem, das an ihr nicht anwesend oder erkennbar ist: des bürgerlichen Gewerbes oder Geldverdienens, also des Nützlichkeitsprimats.
Die Regeln des Bürgers, die es natürlich auch schon zuvor gab, aber seinerzeit eher zünftig und regional fixiert waren, werden nun überörtlich (für die Welt) seitens des Commenwealth fixiert: England diktiert die Umgangsregeln auf der Ebene der Äußerlichkeit.
Diese Regeln sollen des Verkehr miteinander vereinfachen.
Prunk, übermäßiger Glanz, eine prahlerische Herausstellung dese eigenen Wohlstandes am Leib würde hier nur stören und das nur Eigentliche stören: das gemeinsame geistige Kreisen um die RECHTSSACHE oder das Geschäft.
Weil die Rechtssache die Grundlage der bürgerlichen Welt ist, wird diese nun auch durchgehend von dessen Normenwelt geprägt: der graue Anzug breitet sich in ca 1880 bis 1920er Jahren bis auf das hinterste Dorf aus.
Der Utilitarismus prägt nun - abgesehen vom Karneval - fast alles.
Von wo aus gibt es Gegenwind? Ausgerechnet aus GB und seinen kultuerellen Ausleger USA. Und ausgerechnet das ursprünglich supernützliche Element, die Arbeiter - Jeans, führt wieder den verloren gegangenen griechischen oder spätmittelalterlichen Eros wieder in die Männerkleidung ein.
Sie wird allerdings soweit verwandelt, daß sie nun nicht mehr als Zeichen der Arbeit dienen kann: der enge Schnitt macht sie nun als Kleidung für harten körperlichen Einsatz unbrauchbar.
Es wird also innerhalb der bürgerlichen Nutzenwelt ein Feld des Eros uder des Vergnügens freigeräumt. Medium dieses Vorgangs ist die Popmusik, der Film, die Orte des Ausgehens, wo alles um 1960 ff ausprobiert wird.
Die Mädels machen schnell mit, d.h. sie bewegen sich nun ebenfalls in diesem erkämpften und ästhetisch frisch ausgestalteten neuen Freiraum jenseits des reinen bürgerlichen Nutzens, der sachbezogenen Normen oder der Sachlichkeit.
In den 60ern und 70igern wurden diese neuen Freiräume in die Welt der Sachlichkeit und Geschlechtsneutralität nach und nach eingemeindet, weil sie geschäftlich und sonstwie interessant waren.
Bis in die 80er war das alles aber erneuerbar: Punk, New Wave...
Seit der großen Wende um 1990, dem Sieg des bürgerlichen Nützlichkeitsdenkens über die bis dahin noch halb freie Jugendkultur, ist diese das Bürgerliche zähmende Gegenwelt des freien Vergnügens (auf einem rechtlich halbwegs gesicherten Feld) zwischen den Polen der Arbeitswelt und des Traumgemäldes vom dem erstgenannten gegenüber Jenseitigen ausgeträumt.
Die Mädchen träumen weiter, das sieht man an der blühenden Frauenmode - und das entspricht ihrer sozialen Rolle nicht nur im Bürgertum, aber für die Jungs hat es sich gründlich ausgeträumt.
Der Traumgegenpol zur Welt des Nutzens ist weg.
Deshalb fehlt auch männliche Jugendmode, die ja immer nicht zuerst bei Designern, sondern in der Psyche der aktiven jungen Männer entsteht.
Fazit:
Dienstkleidung wird in der bürgerlichen Antiprunk- Gesellschaft immer geschlechtsneutral sein, also auch der Anzug.
Es braucht in dieser Gesellschaft aber kulturelle Handlungsfelder jenseits der reinen Arbeitswelt.
Ohne diese Felder geht das Bürgertum selbst zugrunde, da es GANZ aus sich heraus nicht lebensfähig ist.(!!!)
Das Bürgertum lebte in 1200 bis 1800/1914 über den Gegenpol zu den ausgeprägten Lustfeldern des Adels, derer es sich mit Theater, Museum, Vergbügungsreise usw. nun schon lange bedient.
Diese Felder zu reduzieren auf reine Institutionen oder kopflose Mallorca - Vergnügungen wird aber auf Dauer nicht hinhauen.
Es braucht eine neue frische neue Kultur der jungen Leute, die von einem intelligenten Teil der jungen Männern ausgeht, und die die maroden Teile der Bürgerlichkeit (Welt der Banken, die innere Politikerwelt ...)infrage stellt.
Dann gibt es wieder den nötigen Gegenpol.
Zur Zeit erleben wir ja vielleicht die Anfänge davon.
Darüber kann es dann auch eine neue Männermode geben - also sicher nicht aus den Händern von Modefutzidesignern kommend. Da kam sie noch nie her.


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6. Januar 2012 um 15:54

Weiblicher Hosenanzugs als logische Folge des Prinzips
des männlichen (Hosen-) Anzugs?
Merkel ist für uns primär Bundeskanzler und dann erst Frau. Dies Positionierung - auf ihre äußerliche Berufung bezogen - zeigt sie über ihre Hosenanzüge.
Mit dem weiblichen Hosenanzug wird das Prinzip in abgewandelter Form übernommen, das die bürgerlichen Schneider des 19. Jahrhunderts in England für den Gentleman erfand:
Den Geschäftsanzug.
Der Körper ist beim bürgerlichen Geschäft Instrument der Psyche und Geistes, entsprechend wird der Körper bedeckt. Die Kleidung ist hier Teil des Instruments des Körpers, den der "Geist" benutzt - ganz humanistisch pseudoantik konzipiert.
Das Geschlecht wird beim englischen Anzug nicht ignoriert oder gar geleugnet, sondern sekundär gesetzt.
Primär geht es nicht um die Sicht auf den edlen Körper eines (eingebildeten oder wahren) Superkörpers, also um gerade Beine, kräftige Schultern oder eine schmale, sportliche Taille, aber es geht auch nicht auch nicht um die völlige Neutralisierung derartiger Eigenschaften am Mann, sondern es geht um deren Setzung in den (metaphysischen oder nur gedachten, nicht gesehenen) Hintergrund.
An erster stelle sollen die geistigen und psychischen Fähigkeiten des Geschäftsmannes stehen, also darum, ob er tatsächlich für ein Geschäft usw. taugt.
Primär muß der Anzug praktisch sein und einen Wert in sich selbst ausdrücken: vor dem Wetter schützen, wärmen und über die Stoff- und Schnittqualität "hochwertig"(aber nicht prunkvoll wie noch wenige Jahrzehnte zuvor die Barockkleidung) aussehen, also soll er den Träger lediglich sozial im Status absichern, aber sicherlich nicht verkleiden.
Die männliche Variante der Kleiderpuppe, der symbolbekleidete Träger des Reichtums seines HAUSES in Form aufgeschmückter Kleiderpracht wird um 1800 abgeschafft.
Die Zeit der weiblichen Kleiderpuppe wird aber mit dem bürgerlichen Zeitalter nicht mit abgeschafft, sondern - im Gegenteil - nun erst richtig zelebriert.
Die Modesphären der Männer und der Frauen trennen sich nun also ganz kräftig!
Die gemischte barocke frankophile Vergnügungs- Gesellschaft der Männer und Frauen wird nun von der teils asketischen männlichen Arbeits - und Vereinsgesellschaft abgelöst.
Die welt der schmucken Frau täuscht von nun das die Weiterexistenz einer adligen Gesellschaft vor, solange, bis diese morsche Attitude über den 1. Weltkrieg zusammenbricht.
Seit 100 Jahren (Bubikopf der 1920er- Jahre)ahmen die Frauen wieder Männermode nach, diesmal aber nicht nur die aktuelle, sondern seit nunmehr 50 Jahren (Stiefel) auch fast alle historischen Formen - vermittel über die Designindustrie.
Das ist nur logisch, weil Männer und Frauen sich frei in EINER Gesellschaft miteinander verkehren, arbeiten wie feiern.Die bürgerliche Askese der Arbeitsgesellschaft verlangt aber auch von einer erst zu nehmenden Frau während der Arbeitszeit diese Form der Askese ähnlich oder wie beim englischen Geschäftsanzug.
Von daher trägt nun auch Frau seit 30 Jahren diesen asketischen Anzug.
Hier tritt eben nicht das männliche, sondern das weibliche Geschlecht gegebenfalls in den Hintergrund.
In diesem Sinne ist der Geschäftsanzug inzwischen primär ein Merkmal des bürgerlichen Geschäftsverkehrs und nicht mehr primär ein eindeutiges Kennzeichen eines bürgerlichen Mannes, wie dies noch bis ca 1970 der Fall war.
Der Anzug neutralisiert aber nicht das jeweilige Geschlecht, sondern läßt dieses jeweils nur in den Hintergrund treten, um Wichtigerem in dem augenblick der Annäherung Platz zu machen.
Hier sehen wir ein Kern - Prinzip der bürgerlichen Kultur.
Da reine Bürgerlichkeit aber unerträglich ist, hat das sogenannte Anti- Bürgertum die "Antianzug-Kleidung" , die Kultur der Jeans usw., erfunden..
Diese wird als "Freizeitkleidung" verkauft - vom Bürgertum natürlich ! Denn Geschäft ist Geschäft!

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5. Januar 2012 um 9:49
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