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Wenn Männer über Stiefel reden...

30. Januar 2009 um 1:11

Nach einer längeren Pause muss ich ich mich doch mal wieder zu Wort melden. Gelegentlich lese ich noch mal die Beiträge zu Männern, die über das Tragen von Schuhen aus dem "femininen" Repertoire philosophieren.

Ich frage mich dann oft, warum ihr Euch da so sehr im Weg steht bzw. warum ihr da tatsächlich so wenig Selbstvertrauen habt. Manche Fragen wirken deshalb ungewollt ein bißchen peinlich.

Ich habe es zwar schon zig-mal hier geschrieben, aber was solls. Hier ein paar Denkanstöße:

1. Manchmal wird hier gefragt: "Darf ich das?" oder "Kann ich das?" Die Antwort ist: JA!!! Es gibt in Deutschland kein Gesetz, das Männern das Tragen von "feminin" konnotierter Kleidung verbietet. Ganz im Gegenteil. Im Grundgesetz gibt es das "Recht auf freie Entfaltung", worin auch stöckelnde Männer inbegriffen sind. Staatlicherseits gibt es also kein Problem.

Was den Umgang mit anderen Menschen betrifft, Ihr seid niemandem Rechenschaft schuldig. Wenn es Eurer Nachbarin/einem Passanten/ein paar Minderbemittelten nicht passt, so ist es deren Problem - nicht Eures, oder heißt Ihr Jesus und müsst die Schuld der Welt auch Euch nehmen?

2. Oft werden hier subjektive und pathetische Kategorisierungen gemacht, so nach dem Motto, ja meine Reitstiefel, die trage ich zwar aus Schiss nur zu Hause, aber DIE sind noch in Ordnung. Aber ab 3 cm Absatz ist der Stiefel am Mann dann lächerlich. Deswegen sind meine Absätze ja NUR 2,95 cm. Also Leute, wer mit Verlaub so einen Bockmist schreibt und damit noch den Offenbarungseid leistet, sich gerade für seine Lieblingsschuhe sich rechtfertigen zu müssen, also da gehts dann langsam los. Peinlicher gehts nimmer. Wer meint, dass er zur Selbstrechtfertigung die Trennlinie zwischen "feminin" und "maskulin" nur zu seinen eigenen Zwecken etwas verschieben muss, der ist erstens schief gewickelt, weil er rein gar nichts bewirkt und zweitens ist er ein Hasenfuß, der nur sich selbst als den Braven hinstellen möchte.

Um es mal klar und deutlich auszudrücken: Jeder soll sich den Schuh anziehen, der Ihm passt. Und wenn ein Mann der Meinung ist, er müsse auf Ballettheels "herumschweben", dann soll er das doch machen. Und wenn seine Freundin der Meinung ist, sie muss in Schlittschuhen einkaufen gehen, dann soll sie es machen. Wo ist das Problem frage ich Euch? Ich würde so gerne mal wissen, was Euch im Kopf da rumgeistert und was Euch davon abhält, Euch die Treter anzuziehen, die Euch halt gerade gefallen? Meine Güte!
Nebenbei, diesen Geschlechterquatsch, der wahrscheinlich die Mauer in Euren Köpfen ist, den gibt es nicht. Oder fällt Euch eine plausible Erklärung ein, warum der Träger eines Phallus weniger befähigt zum Stöckelschuhtragen oder Stiefeltragen ist. Also blendet diesen ganzen Blödsinn doch einfach aus. Für Interessierte: mal bei Google "Heteronormativität" eingeben und mal ein bißchen Durchlesen (auch verwandte Themen).

3. Hier wird so oft gewettert, dass die Modeindustrie Euch gefälligst helfen sollte und dass Männer da außen vorgelassen werden. Mensch, einfach mal auf die Straße gehen und den Trend setzen. Ist denn das so schwer? Ihr setzt den Trend!

4. Dann die bösen Leute. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Gelinde gesagt etwas bildungsfernere Menschen und unreife und unsichere Teenies sind die einzigen, die sich da mockieren. Der Rest nimmts zur Kenntnis, manchen gefällts, manchen halt eben nicht. Männer haben damit bei der Konfrontation eher Probleme, weil sich hartnäckig das Gerucht hält, dass das Tragen von High Heels zu Zeugungsunfähigkeit und Cellulite führt - nicht zu vergessen, dass Mann beim Schlüpfen in Heels (wie beim Umlegen eines Schalters) dann umgehend schwul wird bzw. ihm gleich Eierstöcke wachsen - und das will der Kerl von heute natürlich nicht! Schließlich ist er ja der Kerl, der Checker, usw. Beim Blick hinter die Fassade des "Supermannes" wird meist schnell klar: begrenzt, schwach, unisicher. Warum sonst bräuchte er sonst seine Machoart samt dazupassenden Klamotten? Nur damit man ihn als Mann auch erkennt. Anscheinend hat er nichts anderes vorzuweisen.
Stöckelnde Männer sind dem zwangsläufig einen Schritt voraus. Sogar mit Rock und Stöckelschuhen werden sie als Mann erkannt.
Also, die ganzen Zeterer und Neider und Schimpfer würde ich alle mal in die Kategorie "Nicht meine Liga, begrenzt, bedauernswert, einfach doof" einordnen. Das ist sehr beruhigend und stärkt das Selbstbewusstsein ungemein. Über solche Menschen braucht man sich bei eventueller Kritik eigentlich keine Gedanken machen. Es wird meistens schnell klar, dass sie durch ihre Beschränktheit schon genug gestraft und deswehgen eigentlich nur zu bedauern sind. Mit den Prolls aus der Nachbarschaft muss man auch keine Freundschaft schließen, es sei denn man möchte mal wieder bei automobilen Discosounds das obligatorische Wodka-Red Bull Döschen genießen und jede ... peinlich von der Seite anmachen.

Tja, ich hoffe, dass es klar wurde, dass es eigentlich nichts gibt, was einem Mann im Weg steht, wenn er sich vom traditionellen Angebot im Laden abwenden möchte - weder rechtlich, noch gesellschaftlich,noch kulturell, noch geschlechtlich. Das einzige was ihm und vielen hier taztsächlich im Weg steht, sind sie selber!

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30. Januar 2009 um 8:28

Im Prinzip ja, aber ...
Nein, eigentlich auch kein "aber".

"Recht" habt ihr beide irgendwie. Unicat hat eine sehr selbstbewusste "Leck mich fett"-Einstellung, Du dagegen wägst lieber ab "wem Du wann was zumuten" kannst.

Im Prinzip ist es ja auch eigentlich ziemlich wurst WELCHEN Weg man(n) für sich wählt, was letztendlich zählt ist DAS man einen wählt.

Ich denke, Unicat hat sich nicht zwingend nur auf deinen Beitrag bezogen. Wenn Du hier mal durchblätterst (leider sind in den letzten drei Monaten auch viele Threads schlicht eliminiert worden), wirst Du sehen das auch manche Anfragen kommen, die eigentlich nur den Wunsch nach Absolution und Köpfchen-gestreichelt-bekommen -wollen implizieren - und ich denke das ist es wogegen sich unicat ein wenig auflehnt.

Was heißt das nun unterm Strich?
Ich halte es da mit Kants Kernsatz zum Gedanken der Aufklärung (den ich als Allgemeinbildung voraussetze) - mach einfach wie Du kannst und magst, wichtig ist nur das Du es für Dich gut heißt und niemandem schadest (wie denn auch wenn Du Dich lediglich kleidest wie es Dir beliebt) und Dich nicht aus einem kruden "bin ich anders als andere?"-Gedanken heraus selber einschränkst und versteckst.

Grüße,
Marcus

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30. Januar 2009 um 11:20

Stiefelfreak meldet sich zurück
Ich muß jetzt auch mal wieder was loswerden. Ich habe von Zeit zu Zeit die betreffenden Threads verfolgt.
Ich muß Unicat vollkommen rechtgeben. Was, gibt es bitte zu rechtfertigen, wenn man als Mann hohe Stiefel trägt, oder sogar noch mit Absatz?! Antwort:Nichts!
Wir sind hier ein freies Land, in dem Jeder die Freiheit hat zu tun und zu lassen, was er will. Die Freiheit des einzelenn endet lediglich an dem Punkt, an dem sie die Freiheit und die Grund-rechte anderer einschränkt,bzw, verletzt.

Beim lesen der Beiträge habe ich manchmal auch das Gefühl, daß einige Herschaften sich hier in diesem Forum zwar zu ihrer Leidenschaft für Stiefel bekennen, jedoch gleichzeitig zu diesem Bekenntnis immer ihre "Unschuld" dokumentieren wollen. So nach dem Motto, ich habe zwar meinen Spaß daran und finde es auch toll, aber ich bin ja ein braver Junge, und trage sie ja auch nur zu hause und die Absätze erreichen einen gewissen Grenzwert nicht.

Leute, ganz ehrlich, was soll das ganze Gefasel, diese Entschuldigerei, und die damit gleichzeitig verbundene Hoffnung durch den Beitrag eines anderen Schreibers die Absolution für das "Vergehen Stiefel zu Tragen" zu erhalten.

Genauso wenig verstehe ich die Aussagenicht, daß man das öffentliche Stiefeltragen planen müßte, gerade wenn man in irgendwelchen Vereinen, odeer Organisationen tätig ist.
Stiefel bleiben Stiefel, und die Jeans in den Stiefeln steckt in den Stiefeln, egal zu welchem Zeitpunkt man diese Kombination trägt; und den einen gefällt es und den anderen gefällt es eben nicht.
Außerdem ist es Tatsache, daß die kläglichen Phantasien von irgendwelchen Hirnprinzen nichts, aber auch gar nichts mit dem realen Dasein, Tun und Handeln von uns Stiefelträgern zu tun hat.

Außerdem möchte ich dem Aergenossen (ich glaube) lemtry mit seinen, entschudige, Ängsten und Komplexen mal etwas Mut machen. Okay Du bist im Moment arbeitssuchend und leidest unter der Erwerbslosigkeit. Du fühlst Dich deshalb als kein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft. Das ist Quatsch. Ich denke, daß gerade Dir das Stiefeltragen in der Öffentlichkeit zu mehr Selbstvertrauen und Bewußtsein verhilft. Warum, und wie lange willst Du Dich einfach verstecken?!

Les mal in den anderen Threads die Beiträge. Insbesondere ist mir damals der Beitrag vonhellraiser aufgefallen, dem ich und andere dann Mut zu gesprochen habe.
Daraufhin habe ich lange nichts von ihm gehört, bis ich letztens einen Beitrag vo ihm gelesen Habe, frei nach dem Motto "man lebt nur einmal, also Stiefel an, Jeans rein und dan nichts wie raus". Ich muß sagen, der Junge hat sich um 180 gedreht und macht mir richtig Spaß.
Nimm Dir ein Beispiel an Ihm und mache es genauso.
Übrigens, das Tragen von hohen Stiefeln mit reingesteckten Jeans ist nicht unmännlich, aber das nicht dazu stehen und nur im Verborgenen stillen Kämmerlein ausleben dieser Leidenschaft.

Ich slbst besitze außer meinen drei Arbeitssicherheitsschuhen S3 nur hohe Stiefel für meien Freizeit. Darunter auch ein paar Overknees im Reiterstil.
Ich fühle mich wohl darin, meiner Freundin gefällt dieser Look an mir, und der Rest soll sich daran gewöhnen oder nicht.

Gestiefelte Grüße vom Stiefelfreak

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30. Januar 2009 um 13:36

Ganz recht.
Hi,

der Mann macht tatsächlich viel Lärm um Nichts. Halten wir mal fest: ein Schuh ist ein Schuh, ist eine Sohle, ein Leisten, eine Naht und ein Fußbett und evtl. ein Schaft bei einem Stiefel. Soviel zu den Tatsachen. Was wir jetzt damit verbinden, steht auf einem anderen Blatt. Ich verbinde z. B. mit einem Stiefel mit Stiletto Absatz Eleganz, optische Optimierung eine gut geformten Beins und den Luxus nicht immer praktisch sein zu müssen, bzw. mich attraktiv und auch sexy zu fühlen. Etwas immanent Weibliches verbinde ich damit nicht mehr. Wie auch, z. B. meine Freundin kann in solchen Schuhen eigentlich gar nicht laufen und will es auch nicht.

Folglich trifft der Begriff Frauenstiefel schon nicht mehr zu - undzwar allgemein, denn sonst würde kein Mann solche Schuhe tragen. Was die Industrie natürlich ans Abteilungsschild schreibt (Damen-/ Herrenschuhe) - dem kann man glauben oder nicht. Ich z. B. glaube nicht daran. Ich glaube schlicht an Schuhe für meine Füße, die mir gefallen müssen. Ob sie dabei jeman in irgendeine Abteilung gestellt hat ist mir schlicht egal. Was mache ich, wenn die Schuhe, die mir gefallen, in einer gedachten Österreicher-Abteilung stehen? Kaufe ich sie dann nicht, weil ich Deutscher bin?

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie glaubst Du noch an dieses System. Glaube einfach nicht mehr dran und deine Ängste werden verschwinden. Im Übrigen, man kann über die Leute lachen, die bei einem Mann mit Absatz-Stiefeln ihr Klischee-Kopfkino ablaufen lassen. Erstens haben sie schlichtweg vom Thema keine Ahnung, haben nicht begriffen, was für eine große Idiotie eigentlich hinter Geschlechterrollen steckt und engen sich selbst dann ein. Manche stecken es weg, manche gehen dann mal zum Onkel Seelendoktor - aber warum eigentlich? Weil irgendein Möchtegern-"Führer" mal bestimmt hat, dass ein Absatz was Weibliches sein soll? Schon mit mir allein wäre das Gegenteil erwiesen, da ich anatomisch nicht weiblich bin und auch nicht sein möchte. Insofern kannst Du dich das tatsächlich trauen. Ich habe in al den Jahren der Diskussion nicht ein Argument gehört, dass so einen Schuh als weiblich belegt. Klar, mehr Frauen als Männer tragen solche Schuhe, aber was ist dann mit der Hose? Die tragen doch mehrheitlich Männer, wenn man mald davon ausgeht, dass keiner nackt rumläuft. Ich hoffe, Du merkst, wie wackelig und irrwitzig dieser ganze Quatsch aufgebaut ist.

Aber irgendwie ist Dir diese Männlich-Weiblich-Hierarchie inhärent. Merkt man beim Lesen sofort. Trenne Dich davon. Logisch ist das nicht haltbar. Du schreibst z. B., dass Du in einem Verein bist und dort eine Vorbildfunktion hast. Ist ja schön und gut. Aber warum zum Teufel bist Du mit einem Stiefel (oder allgemeiner mit feminin konnotierter Mode) kein Vorbild mehr? Ist das was Schlechtes? Oder ist was Weibliches schlechter als was Männliches? Man bekommt beim Lesen den Eindruck, dass Du iregendwo diese Barriere in Dir hast, die leider aber viele Männer haben, denn auch heute stellt der Mann oder männliches die Norm dar. Frauen werden als der Norm nicht so unterworfen angesehen, es sei denn sie wollen Karriere machen und was mitbestimmen. Deshalb ist es auch egal wie sie rumlaufen, da sie per Geburt der Norm nicht unterstellt sind. Naja, drittklassig ist dann alles was nicht in die erste und zweite Klasse reinpasst (vom Schwulen bis zum Meerschweinchen). Aber wollen wir diese Norm nicht wegkriegen (Gleichberechtigung der Frau, usw.)? Ist es nicht im Endeffekt so, dass Du ein schlechtes Gefühl mit Stiefeln in der Öffentlichkeit hast und dass Frauen im Schnitt 20% weniger verdienen die selbe Ursache haben? Wärst Du dann nicht das beste Vorbild im Verein, wenn Du am besten noch mit 12cm Absätzen und Strapsen in Deinen Verein gehst, weil Du zeigst, dass Du Weiblich konnotiertes genauso schätzt, wie männlich konnotiertes. Wärst Du nicht ein Idol wenn Du anderen Männern den Spiegel ihrer Normiertheit, Uniformität und Erstaarung vorhältst? Vielleicht ist in Deinem Verein ja ein Junge, der genauso mit erstarrter Männlichkeitsnorm nicht zurechtkommt und niemanden hatr, mit dem er darüber reden kann, geschweige denn ein Vorbild. Vielleicht öffnest Du damit Mädchen die Augen, dass das heutige Männerbild ein konstruierter Mist ist und dass es noch was anderes gibt, was ebenso gut ist.

Ich würde an Deiner Stelle einmal scharf über solche Dinge nachdenken und wirklich einmal die Gesellschaft und deren Regeln und Normen hinterfragen. Du wirst auf die selben Tatsachen wie ich stoßen und erkennen, was für ein Unsinn in Geschlechterrollen steckt und wer davon profitiert. Ich vergleiche mich als Mann - also als Angehöriger der Norm - gerne mit der englischen Königin, die ebenso an Normen gebunden ist. Jetzt hat sie einfach mal Lust, sich in einem guten Pub sich mal richtig die Kante zu geben und zwei Schachteln Zigaretten zu rauchen - wie das Volk, aber Normen verbieten es ihr. Was ich damit sagen möchte, als Normträger ist in unserem Fall der Mann selbst Opfer seiner Normen, die in diesem Fall eigentlich nicht einmal politisch gewollt sind und dazu überflüssig sind. Ich habe bewusst und konsequent diese Normen gebrochen und mich aus meiner Opferrolle befreit. Anders als bei der Queen (die den Staat GB repräsentiert und dafür viel Geld kassiert) bekomme ich für den Verzicht auf Dinge nichts und fühle mich daher auch nicht an meine Männernorm gebunden - zumal sie einfach nur beschränkt und starr ist und ich mich als denkender Mensch so einem Schmarrn nicht füge. Sogar der neuere Feminismus gibt mir Recht: Simone Beauvoir sagte einmal: Die Emanzipation ist erst vollendet, wenn Männer Röcke tragen. Die mitschwingende Metaphorik in Bezug auf Normen ist ja wohl deutlich. WIe sang Ina Deter: Neue Männer braucht das Land. Wenn also ein neuer Mann zu Hause bleibt, auf die Kinder aufpasst und den Erziehungsberuf ausübt, nenne mir dann mal einen Grund, warum ein Absatz weiblich sein sollte?

Ich hoffe ich konnte Denkanstöße geben!

Unicat

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30. Januar 2009 um 13:50
In Antwort auf arron_12139395

Im Prinzip ja, aber ...
Nein, eigentlich auch kein "aber".

"Recht" habt ihr beide irgendwie. Unicat hat eine sehr selbstbewusste "Leck mich fett"-Einstellung, Du dagegen wägst lieber ab "wem Du wann was zumuten" kannst.

Im Prinzip ist es ja auch eigentlich ziemlich wurst WELCHEN Weg man(n) für sich wählt, was letztendlich zählt ist DAS man einen wählt.

Ich denke, Unicat hat sich nicht zwingend nur auf deinen Beitrag bezogen. Wenn Du hier mal durchblätterst (leider sind in den letzten drei Monaten auch viele Threads schlicht eliminiert worden), wirst Du sehen das auch manche Anfragen kommen, die eigentlich nur den Wunsch nach Absolution und Köpfchen-gestreichelt-bekommen -wollen implizieren - und ich denke das ist es wogegen sich unicat ein wenig auflehnt.

Was heißt das nun unterm Strich?
Ich halte es da mit Kants Kernsatz zum Gedanken der Aufklärung (den ich als Allgemeinbildung voraussetze) - mach einfach wie Du kannst und magst, wichtig ist nur das Du es für Dich gut heißt und niemandem schadest (wie denn auch wenn Du Dich lediglich kleidest wie es Dir beliebt) und Dich nicht aus einem kruden "bin ich anders als andere?"-Gedanken heraus selber einschränkst und versteckst.

Grüße,
Marcus

Stiefel
hallo an alle,
nicht von der hand zu weisen ist, dass sich viele menschen einfach zu viele gadanken machen, was andere menschen, in der bekanntschaft oder die man sonst nie wieder sieht, denken.
keiner will, dass über sich selbst übel nachgeredet wird. darum will man meist nicht aufallen. genau aber das ist der fall beim tragen von unüblicher kleidung.
dabei ist es egal, ob über frauen oder männer gelästert wird. frauen finden das nicht schlimm, sie indentifizieren sich damit und wollen es unter umständen auch. wenn über männer gelästert wird, dann bitteschön im zusammenhang mit aufgemotzten autos oder im fitnessstudio. lästern im zusammenhang mit mode explizit schuhe ist tabu und wird als schwuchtelig empfunden.
so auf den punkt gebracht sind die interessen verschoben. zum glück gibts aber ausnahmen, bei männern wie frauen.
hauptmann

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1. Februar 2009 um 2:31

Style
Hallo Vio,
was könntest Du denn einenem mitvierziger mit Bauchansatz raten?
Ich lebe in einem kleinen Dorf mit konservativer Ehefrau, soll ich den Bauch mit Gewalt abtrainieren oder gibts andere Möglichkeiten das der Gesamteindruck stimmig ist.
LG Matthias

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2. Februar 2009 um 19:48

@ Viola
Hi,

Das hast Du sehr treffend erkannt. Vielen Männern - und da gerade denen mit dem größten Lästermaul - fehlt schlicht und einfach der Mut, Neues zu wagen, bzw. auch mal in die Damenabteilung zu gehen. Dabei empfinden viele den Gang in die Damenabteilung als persönliche Abwertung. Aber sie sollten sich einmal vor Augen führen, dass es eben nur Damen- und Herrenabteilungen gibt. Eine dritte Abteilung ist mir unbekannt. Aber vielleicht brauchen manche Männer - um Mut zu fassen - eine Marsmännchenabteilung (steckt immerhin Männchen drin ).
Dadurch dass viele Männer mit dem Gang in die Damenabteilung gewisse Ängste (Gehe ich noch als Norm-Mann durch? Weiberzeugs, nicht rational, usw.) verbinden, wird deutlich klar, wie weit die Schätzung von etwas 'Weiblichem' gekommen ist. Sie hat sich nämlich eigentlich überhaupt nicht bewegt. Im Gegenteil: Frauen haben sich fast ausschließlich der Männergarderobe bedient. Das lässt auf die Flexibilität der Norm Mann sehr tief blicken.
Und so verengt sich das Spektrum der Klamotten für Männer immer mehr. Statt einmal neue Wege zu gehen, wird aus einer diffusen Angst vor dem Verlust der männlichen Norm alles abgelehnt, was da nicht hineinpasst. Lieber gibt es - wie z.B. in China - den blauen Anzug.
Was mich allerdings sehr stört, ist die Tatsache, dass Frauen an der Geschichte nicht ganz unschuldig sind. Denn anstatt mutige Männer zu unterstützen, partizipieren einige noch an der Zementierung männliocher Kleidungsnorm, sei es um eine eige Exklusivität zu wahren, sei es aus dem erstarrten Rollenverständnis heraus und sei es simpel und einfach aus Blödheit. Dabei bemerkte Simone de Beauvoir (frz. Feministin) sehr treffend, dass die Emanzipation erst abgeschlossen sei, wenn Männer Röcke (mit Stolz) tragen. Hier gibt es noch viel zu tun. Auf der einen Seite mutige Männer und weniger Zauderer und Luschen und auf der anderen Seite Frauen, die über den Tellerrand in Bezug des Männerbildes hinausschauen können. Gedient wäre im Endeffekt allen mit mehr Vielfalt und mehr Gleichberechtigung.
Entgegen viele Männern packe ichs an habe trotz aller Unkenrufe weder meine Freundin noch meinen Ruf verloren.

Unicat

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4. Februar 2009 um 2:05

Na das ist doch ein Anfang
Hi Marcus,

Begrüßenswert, was Du da machst. Irgendwann habe auch ich mal so angefangen. Ich muss zugeben, dass diese Rollenbilder anfangs auch noch durch meinen Kopf schwirrten und ich erstmal Mut fassen musste. Aber binnen relativ kurzer Zeit war die eigene Gehirnblockade weg.

Heute kann ich auch mit hohen Absätzen und wirklich hohen Schäften - in Kombi mit Mini und Strumpfhose - souverän auf die Straße gehen. Nur der Style muss eben passen. Es soll nicht so wirken, als wollte ich Frauen überspitzt nachäffen. Die Worte "männlich" und "weiblich" und das was man damit verbindet (in Bezug auf stereotype Eigenschaften) hat stark an Bedeutung verloren.
So bin ich heute bei meiner Freundin der Modeberater (amüsant, da VerkäuferInnen in Geschäften deswegen oft ziemlich perplex sind) und die Verkäuferin im Strumpfladen wohl noch nie einen Mann da hatte, der seine Freundin über den Tragekomfort einer gewissen Strumpfhose aufklärt.

Tja, so kanns gehen - und ich kanns nur immer wieder sagen, die Frauen, die ich interessant finde (selbstsicher + Style + Charakter + Hirn + Sympathie) finden meinen Look sehr gut! Und die anderen Leute sind mir vollkommen schnurz in Bezug zu deren Empfinden auf meine Kleidung.

Liebe Grüße

Unicat

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4. Februar 2009 um 8:03


Hi Marcus!

Finde ich klasse! Und nein, ich schätze damit brauchst Du Dich absolut nicht verstecken! Noch entsprechend selbstsicher aufgetreten (und das kommt von alleine, glaub mir) und Du wirst Dich richtig gut fühlen!

By the way, wo hast Du die Stiefel her?

Grüße aus Essen,

Marcus

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6. Februar 2009 um 7:16


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6. Februar 2009 um 16:48

Ignorier ihn einfach.
Ich hatte auch schon überlegt, ob ich auf den Beitrag antworte. Aber Holinka hat seine eigenen Vorstellungen davon, was hier besprochen werden darf und was nicht. Das Problem ist, daß ich hinter dem Nick eine hochintelligente Person vermute. Das macht es richtig traurig, daß von ihm zu solchen Themen nur solche Beiträge kommen. Am besten also nicht drauf eingehen.

LG
Madinside

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26. Juli 2009 um 17:17
In Antwort auf wasswa_12261322

Style
Hallo Vio,
was könntest Du denn einenem mitvierziger mit Bauchansatz raten?
Ich lebe in einem kleinen Dorf mit konservativer Ehefrau, soll ich den Bauch mit Gewalt abtrainieren oder gibts andere Möglichkeiten das der Gesamteindruck stimmig ist.
LG Matthias

Genauso hier
auch mitvierzeiger und etwas zuviele Pfunde. Trotzdem stretchjeans und eben ein günstiger Pulli dazu uind es geht. Klienes Dorf mit 400 seelen. Wohne auch it Zweitwohnsitz noch in einer mittelgrossen Stadt. In der Stadt trage ich Stiefle immer und auch in der Arbeit. In dem kleinen Dorf auch aber nciht allzu oft udn vor allem da dort viel Landwirte sind ist es für die dann eher "warum hast Du noch die Stiefel vom Stall an" . Sie sehen zwar nicht so aus aber deren Weltbild ist eben ein anderes und das nehme ich einfach zur kenntniss. In Hohen Stiefeln aufs Dorffest gehen, würde dort mir keinen Spass machen und denen nur Rätsel aufgeben. Aber ich habe genügend Möglichkeiten sonstwo. Wenn ich wegfahre, reisen, zum EInkaufen, Arbeit etc. Dass ich dann natürlich auch in dem kleinem in einer persönlcihen Begegnung oder auch kleineren Gruppe mit meinen Stiefeln aufschlage ist normal und da fühle ich mich mittlerweile auch sehr gut und habe eher Mitleid mit den armen Sandalen und Halbschuh einheits aposteln.
Siehs einfach mal aus der Sicht dass du mit den 08/15 einheits fuzzis MItleid hast... Das gibt Dir ein Selbstvertrauen davon träumst Du nur.

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1. August 2010 um 18:40

Ich muss dir rechtgeben...
...aber wie siehst du die ganze Sache bei einem Fetischisten?
Der die Schuhe also nicht trägt weil sie ihm gefallen, sondern um sich "aufzugeilen".

Dazu würde mich deine Meinung interessieren

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2. August 2010 um 12:21
In Antwort auf ich1053

Ich muss dir rechtgeben...
...aber wie siehst du die ganze Sache bei einem Fetischisten?
Der die Schuhe also nicht trägt weil sie ihm gefallen, sondern um sich "aufzugeilen".

Dazu würde mich deine Meinung interessieren

Meine Meinung zu Schuhfetischismus
Hi,

auch das sollte man ein bißchen differenziert sehen. Ich denke, dass die Grenze zu jedem Fetischismus fließend ist. Einigen der Frauen in diesem Forum ließe sich durchaus ein Schuhfetischismus unterstellen, wenn sie erzählen, wie "geil" und "sexy" das ist und dass sie nur solche Schuhe tragen. Im Grunde ähnlich verhalten sich männliche Schuhfetischisten. Entweder sie finden sich damit selbst geil und sexy oder - und das wird dann problematisch - sie würden amliebsten fremde Stiefelträger "anspringen" oder den Partner amliebsten zwingen, nur noch in solchen Dinger rumzulaufen. Letzterer Typ ist für mich ein No-Go. Nicht weil er Stiefel an anderen Leuten so toll findet, sondern weil er damit andere Leute belästigt bzw. vereinnahmt. Bei ersterem sehe ich überhaupt kein Problem, da Fetischismus zwar negativ belegt ist, aber diese Form von Fetischismus Dritten gegenüber unschädlich ist. Der Partner muss sich natürlich damit arrangieren. Im Volksmund ist Schuhfetischismus bei Frauen ein toleriertes Phänomen. Der "liebenswerte" Schuhtick zeugt davon. Männliche Fetischisten haben es da schwerer. Die sind gleich wieder pervers, dabei schadet dieser Schuhtick - analog zur Frau keinem Dritten. Hier würde ein bißchen mehr Offenheit und Selbstbewusstsein den Männern nicht schaden. Dafür müsste aber auch mal ein bißchen mehr Modeverständnis in die mänlischen Hirne einziehen. Schlabberpulli, Bierbauch und Wühltisch-Jeans gepaart mit Overknees passen nun einmal nicht so gut zusammen. Das ist glaube ich ein Hauptgrund, warum das Bild von da schlecht wegkommt. Das richtige Styling ist entscheidend. Da hörts leider bei vielen Fetischisten und allgemeiner Männern schon auf. Daher kann ich denen Fetischisten raten, die selbst gerne Heels tragen und die ein gutes Styling hinkriegen, dass sie durchaus in die Öffentlichkeit gehen können. So veranlagte Frauen tuns ja auch. Problematisch fände ich persönlich es nur, wenn da ständig so ein "Knubbel" in der Hose/ Rock ist. Die, die andere belästigen, sich dabei gerne mal phallisch stimulieren und deren Look mal platt gesprochen "hingerotzt" ist (z. B. Schlabberpulli und Opa-Jeans von KiK gepaart mit Lackoverknees), solten lieber ihre Vorlieben im Privaten ausprobieren. Das erregt nicht nur die Aufmerksankeit der Öffentlichkeit, weil es ungewöhnlich oder interesant ist, sondern weil es einfach daneben aussieht (analog Frauen mit Größe 54, Hüfthose, String und Heels). Ästhetik macht da viel aus.

Also nochmal zusammengefasst. Jeder kann grundsätzlich so aus dem Haus, aber das wie trägt maßgeblich zur Akzeptanz bei. Zum Fetischisten, der sich an sich selbst "aufgeilt" kann ich nur sagen, er kann es tragen, sollte sich daran aber in der Öffentlichkeit nicht "aufgeilen", da es sehr anstößig und unverschämt wirkt. Wenn er das hinkriegt, kein Problem, ansonsten lieber zu Hause "Handentspannung" machen. Offensichtlich sexuell begründete Handlungen haben in der Öffentlichkeit nichts verloren.

Hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen!

Unicat

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Dreister Schuhfetisch!
Von: unicat79
neu
17. Oktober 2010 um 16:17
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