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Tabubruch ... ?

16. Juli 2010 um 6:32 Letzte Antwort: 8. September 2010 um 18:30

Da gibt es in neuerer Zeit wieder Stimmen, die fordern, Frauen sollten wieder "richtig" weiblich werden.

Und es wird dort behauptet, es sei ein TABUBRUCH, so etwas überhaupt auszusprechen.


http://www.tabubruch.ch/index.htm



Der (offenbar sehr konservativ gesinnte) Autor René Kuhn zeichnet da in seinem Buch

"Zurück zur Frau - Weg mit den Mannsweibern und Vogelscheuchen, ein Tabubruch"

ein aktuelles Bild der Frau in "Heiland-Sandalen statt eleganter Damenschuhe, Wuschelpullover und schlecht geschnittene Jeans statt ein Deux-pièces, Rucksack statt einer eleganten Handtasche", das ihm so gar nicht gefallen mag.

Und er sagt: "Dies ist alles das Resultat von 40 Jahren Geschlechterkampf, der längst zu einer Ungleichberechtigung der Männer geführt hat."


Ist das wirklich ein Tabubruch ?

Oder gibt es vielleicht ganz andere Tabus im Verhältnis der Geschlechter, die noch längst nicht angegangen bzw. ausdiskutiert wurden ?


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25. Juli 2010 um 6:28

Wenn einige Männer nicht die Qualitäten haben ...
Das alltägliche Erscheinungsbild der Frau ist in der heutigen Zeit aber doch ziemlich stark entweiblicht, und das bezieht sich auf alle Lebensbereiche, nicht nur auf die Arbeitswelt, in der weniger feminine Kleidung zuweilen praktischer sein kann. Nur an heißen Tagen, an denen luftige Bekleidung wie Röcke und Kleider eindeutig nur von Vorteil sind, ist das oft anders (da dürfen Männer alleine in langen Hosen schwitzen).


Und wenn mit dem Hinweis auf Statistiken das - altbekannte - Argument angeführt sein soll, dass es noch immer Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, dann ist zunächst zu sagen: auch das ändert sich langsam deutlich. In großen Städten bzw. Metropolen verdienen Frauen nach den letzten Statistiken mittlerweile schon mehr als Männer (was mit den dort verstärkt lebenden jungen Frauen mit guter Ausbildung erklärt wird).

Und da sind wir wohl auch beim eigentlich entscheidenden Punkt angelangt:
Wenn man Männern nur zwei gesellschaftlich erlaubte "Hobbies" überlässt, nämlich Arbeiten und Sport treiben, und eine Stimmung erzeugt, in der sich der gesellschaftliche Status des Mannes allein über den Erfolg darin bemisst, ist es dann ein Wunder, wenn sich Männer in diese Aufgaben geradezu verbissen hineinstürzen ?

Und ist es dann ein Wunder, wenn Männer in diesen Bereichen - jedenfalls in Teilen - erfolgreicher sind ?

Die letztendliche Folge lässt sich übrigens auch an Statistiken ablesen: die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen ist heute ca. 9 Jahre länger als diejenige von Männern; das war vor hundert noch anders, da lag der Unterschied bei unter zwei Jahren; erst in den "Wohlstandszeiten" nach dem zweiten Weltkrieg hat sich diese Spanne rasant ausgedehnt. Wessen Wohlstand erleben wir heute also vor allem ?

Frauen haben viele - gesellschaftlich erlaubte - Interessen, die sie ausleben können, und aus denen sie dasjenige, was ihnen am meisten zusagt, auswählen können. Das schafft persönliche Freiräume und kann zu einem wesentlich weniger stressbeladenen Leben führen. Wird eine Frau arbeitslos, stürzt sie wirtschaftlich ab, wird ein Mann arbeitslos, stürzt er zusätzlich auch noch gesellschaftlich ab. Diesen Anforderungen waren Männer früher auch ausgesetzt, aber die Freiheiten waren - sicherlich auch zu Lasten der Frauen - größer.
Dreht man aber bei zwei "Stellschrauben" immer nur an der einen, können sich schnell ziemlich verspannte Zustände bis hin zum Totalausfall des Systems einstellen ...

Die neuzeitliche "Kleiderordnungs"-Frage ist in dieser Situation eigentlich nur ein Symptom für ein Auseinanderlaufen von Rechten und Pflichten unter den Geschlechtern.
Oder anders ausgedrückt: Frauen in Arbeitskleidung (z.B. Overall und klobige Stiefel) gibts schon lange, wann aber wird es - als Symptom fortschreitender Gleichberechtigung - auch kinderwagenschiebende Männer in Minirock und Stöckelschuhen geben ... ?

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26. Juli 2010 um 9:13

Schwieriges Thema
kann da nicht so recht meine Meinung über den Verfasser des Buches aussagen. Einiges scheint ziemlich extrem, aber im Grunde hat er oberflächlich gesehen recht: Man sieht längst nicht mehr so viele gut gekleidete Frauen auf der Stresse, als es noch früher der Fall war. Ob das jetzt rein darauf zurückzuführen, dass die Frauen sich entweiblicht haben, vermag ich nicht zu beurteilen.
Ich denke aber, dass die heutige Mode, die den Frauen so viele Optionen lässt, zum grossen Teil mitverantwortlich ist.
Während das Männerangebot immer weiter ausgedünnt wird, wird auf der anderen Seite das Damensortiment ständig ausgebaut. Es gibt quasi kein Kleidungsstück mehr, was der Mann noch für sich hat, die gesamte Männermode ist in die Damenmode mit eingeflossen, also hat die Frau auch die Möglichkeit, sich bequeme Outfits zuzulegen, also Gesundheitslatschen, Schlabberhosen- und Pullis - woraus ja auch der Boyfriend Look abgeleitet ist, welche Frauen noch einen zusätzlichen Impuls gibt, sich entsprechend zu kleiden.
Frauen haben nun mal den Drang, so ziemlich alles an verfügbarer Mode auszuprobieren, auch wenn es total scheisse aussieht. Wenn es heisst: das ist hip, dann heisst es: kaufen!
Oder kann mir jemand erklären, was an den Schaftsandalen (Mix aus Peeptoe, Stiefel und Sandale - im Sommer zu heiss, im Winter zu kalt) so toll sein soll?

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1. August 2010 um 17:41
In Antwort auf teerpirat

Schwieriges Thema
kann da nicht so recht meine Meinung über den Verfasser des Buches aussagen. Einiges scheint ziemlich extrem, aber im Grunde hat er oberflächlich gesehen recht: Man sieht längst nicht mehr so viele gut gekleidete Frauen auf der Stresse, als es noch früher der Fall war. Ob das jetzt rein darauf zurückzuführen, dass die Frauen sich entweiblicht haben, vermag ich nicht zu beurteilen.
Ich denke aber, dass die heutige Mode, die den Frauen so viele Optionen lässt, zum grossen Teil mitverantwortlich ist.
Während das Männerangebot immer weiter ausgedünnt wird, wird auf der anderen Seite das Damensortiment ständig ausgebaut. Es gibt quasi kein Kleidungsstück mehr, was der Mann noch für sich hat, die gesamte Männermode ist in die Damenmode mit eingeflossen, also hat die Frau auch die Möglichkeit, sich bequeme Outfits zuzulegen, also Gesundheitslatschen, Schlabberhosen- und Pullis - woraus ja auch der Boyfriend Look abgeleitet ist, welche Frauen noch einen zusätzlichen Impuls gibt, sich entsprechend zu kleiden.
Frauen haben nun mal den Drang, so ziemlich alles an verfügbarer Mode auszuprobieren, auch wenn es total scheisse aussieht. Wenn es heisst: das ist hip, dann heisst es: kaufen!
Oder kann mir jemand erklären, was an den Schaftsandalen (Mix aus Peeptoe, Stiefel und Sandale - im Sommer zu heiss, im Winter zu kalt) so toll sein soll?

Während das Männerangebot immer weiter ausgedünnt wird ...
"Während das Männerangebot immer weiter ausgedünnt wird, wird auf der anderen Seite das Damensortiment ständig ausgebaut. Es gibt quasi kein Kleidungsstück mehr, was der Mann noch für sich hat, die gesamte Männermode ist in die Damenmode mit eingeflossen, also hat die Frau auch die Möglichkeit, sich bequeme Outfits zuzulegen, ..."

Sehe ich ganz genauso ... Allerdings denke ich, diese Entwicklung hat tiefere gesellschaftliche Ursachen (ohne damit behaupten zu wollen, dass der Verfasser dieses Buches recht hätte).

Und ich finde, es ist an der Zeit, diese Ursachen jetzt mal offen zu diskutieren !

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7. September 2010 um 7:50

... dressierter Mann ?
na ja, ob es wirklich (nur) an der Modeindustrie liegt, oder nicht doch gesellschaftliche Ursachen (auch hinter solchen Mode-Erscheinungen) liegen, wird ja schon lange diskutiert, auch von - nicht feministisch ausgerichteten - Frauen, vgl. z.B. hier:

http://www.klartextsatire.de/erundsie/dressierte-mann-1.htm

(zu kaufen z.B. bei amazon:
http://www.amazon.de/dressierte-Mann-polygame-Geschlecht-Dressur/dp/3423361344).

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7. September 2010 um 9:42
In Antwort auf bart_12306454

... dressierter Mann ?
na ja, ob es wirklich (nur) an der Modeindustrie liegt, oder nicht doch gesellschaftliche Ursachen (auch hinter solchen Mode-Erscheinungen) liegen, wird ja schon lange diskutiert, auch von - nicht feministisch ausgerichteten - Frauen, vgl. z.B. hier:

http://www.klartextsatire.de/erundsie/dressierte-mann-1.htm

(zu kaufen z.B. bei amazon:
http://www.amazon.de/dressierte-Mann-polygame-Geschlecht-Dressur/dp/3423361344).

Mein Senf
Welchen Look eine Frau, ein Mann oder besser gesagt ein Mensch auf der Straße anhat, ist doch eigentlich seine Sache - egal ob es uns gefällt, oder nicht. Ich schließe mich da nicht aus. Mir und vielen gefällt mein Look, vielen aber nicht. Das ist deren gutes Recht.

Was mir richtig sauer aufstößt, ist aber die Tatsache, dass bei Frauen offensichtlich alles unter Mode verbucht werden kann, bei Männern aber nicht. Da wird gleich von Fetischen und Perversionen erzählt.
Wir müssten uns aber mal fragen, was die Ursache ist. Beliest man sich mal über solche Dinge in der Soziologie, wird man sehr schnell zum Begriff der "Heteronormativität" gelangen. Das ist ein Gesellschaftsmodell, das zwischen Männer und Frauen und den "Rest" eine Wertung induziert. An erster Stelle steht der Mann als versinnbildlichte Norm. An zweiter Stufe steht die Frau oder versinnbildlicht das Weibliche. An dritter Stelle kommt der Rest (alles Nicht-Konforme).
In seinen Grundzügen funktioniert diese Gesellschaftsordnung heute noch so. Der Mann ist die "Norm". Frauen hatten es leichter, da sie nie die Norm waren und diese somit auch nicht erfüllen mussten. Das ist in der Mode so und auch in anderen Bereichen. Die Emanzipation (die ich übrigens sehr unterstütze) hat das weiter Bewegung ins Spiel gebracht. Frauen konnten sich der "Männer-Stufe" annähern. Umgekehrt wird es da dann weit schwieriger. Tanzt ein Mann aus der Reihe, verstößt er erstens gegen eine gesellschaftlich gesetzte Norm. Wer er wie ich z.B. High Heels trägt, tut er das. Sanktionen kommen dann von Männern, weil er aus der Gruppendynamik ausbricht und diese Norm in Frage stellt. Aus ähnlichen Gründen kommen dann auch Sanktionen von Frauen, weil sie diese Norm genauso verinnerlicht haben. Nur Frauen sind oft ein bißchen mehr Open-minded und sehen auch den modischen Anspruch (sprich die Kunst) und nicht nur den Normverstoß. Starke Frauen erkennen dazu, dass bei Männern einiges dazu gehört, die Norm abzulegen.
Ergo, das Dilemma haben sich Männer eigentlich selbst zuzuschreiben. Die meisten wollen stur die Norm aufrechterhalten, die jahrhundertelang Männern das Primat einbrachte. Jetzt funktioniert das nicht mehr so richtig, aber da die meisten Männer das wohl nie begreifen werden, halten sie weiter beharrlich dran fest. Die haben richtig Angst vor irgendwas Femininem an ihnen, weil sie dann ja von ihrer höchsten Stufe runter auf die zweite (Weibliches) müssten.
Ob Weibliches tatsächlich schlechter ist, oder ob das nur ein gesellschaftlich überholtes Konstrukt ist, das reflektieren diese Trottel überhaupt nicht. Frauen halten an dieser Norm auch weiter fest - ebenfalls aus mangelnder Reflexion und weil ihnen jahrhunderte lang erzählt wurde, Kerle müssten so und so sein.
Das Ergebnis sehen wir hier: oft einseitig emanzipierte Frauen, die meinen, dass eine alleinige Emanzipation von Frauen funktioniert und dann schon alles schön ist und dann die Männer im Maskulinitätswahn, die erstens offenbar zu borniert sind, sich ebenso von ihrer starren Männerrolle zu emanzipieren und zweitens Angst vor gezeigter aber allzu oft vorhandener inhärenter Weiblichkeit haben.
Das ist das Dilemma: 80% der Männer werden das nie begreifen. Leider begreifen auch viele Frauen nicht, dass Männer, die zu feminies so toll finden, dass sie es sogar selbst anziehen, eine echte Chance sind, die Heteronormativität abzuschütteln und dieses ewige Mann-Frau-Gekeife abzuschaffen, weil dadurch nicht Geschlechterrollen sondern individuelles Menschsein in den Vordergrund rückt.
Also hört mir auf mit Eurem Männchen Weibchen Scheiß! Wir sind alles Menschen undzwar nicht vom Mars und der Venus, sondern von der Erde und so sollten wir uns auch verhalten.

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7. September 2010 um 10:00

Recht hast Du!
Besonders Männer halten ganz starr am Männer-Frauen-Klischeebild fest. Die begreifen nicht, dass sie sich damit jeder Emanzipation aus ihrer immer enger werdenden Rolle heraus verschließen.
Ich möchte meinem Verstand auf Knien danken, das ich das für mich so erkannt habe. Ich beharre nicht auf Heimchen am Herd, auf Haupternährer auf das größte Stück Braten, auf das letzte Wort und all den ganzen Scheiß! Ich habe keine solche Frau zu Hause, die ich nur angucke, wenn sie sich bestrapst auf dem Tigerfell räkelt und daneben der Esstisch gedeckt ist. Nein, ich habe eine Partnerin mit der ich durch Dünn und vor allem durch Dick gehe, mit der ich auf Augenhöhe stehe, die auch mir Deckung gibt, wenn ich sie brauche. Kurz: bei uns gibts diesen Geschlechterrollenscheiß nicht mehr.
Ich rede ihr dann folglich auch nicht rein, wie sie sich anzuziehen hat. Aber die selben Rechte habe ich dann auch! Das ist das was die meisten Männer nicht begreifen wollen. Wie sie habe ich genauso das Recht, zwischen tradierten Rollenbildern zu switchen. Meine Individualität hat es nun einmal gebracht, dass ich von traditionell maskuliner Mode nicht jeden Tag besonders viel halte und ich setze es halt konsequent und mit Partnerin um, die auf Stöckelschuhen überhaupt nicht laufen kann und will. Das ist eben mein Part.
Wenn sich jetzt viele Männer über die Grube ausheulen, die sie sich selbst gegraben haben und hier von Ungleichberechtigung reden, aber im selben Atemzug tradierte Rollenbilder aufrecht halten wollen, dann tut es mir leid. Dabei lässt sich so gut über tradierte "echte Kerle" lachen. Das Einzige was mich stört ist, dass Frauen oft z.B. über mich lästern, aber gleichzeitig nicht wissen, dass für sie vor 100 Jahren die Hose verboten war. Naja, eigentlich deren Doofheit...

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7. September 2010 um 10:01

Aufruf zu mehr Weiblichkeit
Na, das kann ich doch unterschreiben. Frauen und Männer sollten sich alle mal ein wenig 'weiblicher' kleiden. Ein Großteil der Tristesse auf der Straße rührt doch von dem Einheitsbrei her, den man da immer sieht: Jeans, T-Shirt, Sneakers. Oder Anzüge.

Es gibt jedenfalls keinen Grund, den Aufruf nur auf Frauen zu beschränken. Wenn Mann sich an der Tristesse stört -- dann kann er selber etwas dagegen tun. Wir alle verändern unsere Welt.

LG
Madinside

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8. September 2010 um 18:30
In Antwort auf werner_12479989

Aufruf zu mehr Weiblichkeit
Na, das kann ich doch unterschreiben. Frauen und Männer sollten sich alle mal ein wenig 'weiblicher' kleiden. Ein Großteil der Tristesse auf der Straße rührt doch von dem Einheitsbrei her, den man da immer sieht: Jeans, T-Shirt, Sneakers. Oder Anzüge.

Es gibt jedenfalls keinen Grund, den Aufruf nur auf Frauen zu beschränken. Wenn Mann sich an der Tristesse stört -- dann kann er selber etwas dagegen tun. Wir alle verändern unsere Welt.

LG
Madinside

Weiblicher kleiden
Ja, warum nicht alle weiblicher Kleiden ob Mann oder Frau?
Ich geniesse es jedenfalls, wenn ich in Damensandaletten und Handtsche unterwegs bin. Schliesslich kann man es sich ja auch bequem einrichten.

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