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Nostalgie, Flair, Individualität ... VINTAGE

8. Juli 2009 um 8:29

Ich habe gerade das Forum nach dem Begriff "Vintage" durchsucht und herausgefunden, dass er sich hier noch sehr rar macht. Deswegen ein Extra-Thread zu dem Thema.

Gibt es denn unter euch Liebhaber der Mode aus früheren Zeiten?
Was tragt ihr am liebsten? Habt ihr vielleicht ein Lieblings-Jahrzehnt oder favorisiert ihr irgendeine Marke?
Wie kombiniert ihr eure Raritäten?
Was mögt ihr besonders an Vintage-Kleidung bzw. wo liegen für euch die Gründe, sie zu kaufen?
Eure Bezugsquellen? ... usw. ... Einfach losquatschen.

Ich mach mal den Anfang.
Ich mochte ja schon immer romantisch und nostalgisch anmutende Dinge, aber ich bin mit dem Angebot der "gewöhnlichen" Läden ganz gut ausgekommen, bis ... ja bis ... ich letztes Jahr während einer persönlichen Krise leider zugenommen hatte und meine Figur, besonders meine Beine, nicht mehr mochte. Ich habe dann beschlossen, auf lange Kleider und Röcke umzusteigen, nur bietet die Modeindustrie unserer Zeit wenig in dieser Richtung. Die Sachen sind doch fast alle kurz oder knielang. Und die langen Hippiekleider, die es teilweise zu kaufen gibt, sind mir zu teuer für das bissel bedruckter Stoff.
Mehr durch Zufall habe ich bei eBay vorbeigeschaut und dort bin ich sogleich fündig geworden. Vor allem die weiten Indien-Kleider und die bunt geblümten, langen Hippiekleider aus Chiffon hatten es mir sofort angetan. Verhüllt, aber nicht versteckt, sondern schön verpackt! Märchenhaft, einzigartig! Ja, das ist ganz mein Ding. Da taten mir die Kilos mehr auf den Rippen gleich weniger weh.
So bin ich also zu Vintage gekommen.
Inzwischen shoppe ich auch auf eBay.uk und eBay.com. Beim amerikanischen eBay habe ich eine Marke namens "Gunne Sax" entdeckt, die auch jetzt noch existiert. Inzwischen vertreibt das Label stinklangweilige 08/15-Ballkleider, wie man sie aus jedem Kaufhaus kennt, aber die Sachen aus den 70ern sind der Hammer. Die Designerin des Hauses, Jessica McClintock, hat mit ihren Kleidern den Stil der Renaissance wieder aufgegriffen. Das müsst ihr euch in etwa so vorstellen: Lange, fließende Gewänder mit Empiretaille und Puffärmeln oder weiten, glockigen Ärmeln. Blumenmuster. Feinste, dünne Baumwolle (wie Gaze), Samt, Spitze. Ein Traum sind diese Kleider ... Ich hab schon sechs Stück in meiner Sammlung und weitere zwei sind unterwegs zu mir.
Derzeit träume ich von einem original edwaredianischen Kleid, also von einem Kleid aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Sie sind meistens weiß, hauchzart (Unterkleid nötig) und mit ettlichen Spitzeneinsätzen versehen. Und leider TEUER. SEHR TEUER. Unter hundert Euro läuft da kaum etwas.
Neben Kleidern hab ich auch 'ne Schwäche für Taschen. Meine nächste Anschaffung wird sicher eine cognacfarbene Beuteltasche sein.
Das bedeutet - ich trage fast immer Vintage zu Vintage. Dabei gebe ich Acht auf die Farbkombinationen. Zu meinem erst neu ersteigerten grün-weißen Kleid werde ich weiße Pumps anziehen und dann aber so eine hellbraune Beuteltasche kombinieren, als Kontrast.
Mit Schmuck halte ich mich meist zurück, da meine Kleider und Röcke schon der Eyecatcher sind. Schmuck darf dann auch aus den Läden der Fußgängerzone stammen, die haben ja recht schöne Sachen bei I Am & Co..

Soo, jetzt weiß ich gerade nicht mehr, was ich noch erzählen soll. Also seid ihr jetzt dran! Ich freue mich schon auf eure Antworten!!

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8. Juli 2009 um 14:45

Schlank wirkende Vintage-Trägerin mit ganzer Seele
Hallo,

ja, irgendwie verstehe ich dich schon. Heute grellbunter 80er-Look und morgen edwardianisch, da würde ich auch stutzig werden. Aber sei unbesorgt: zumindest in meinem Kleiderschrank gibt's einen roten Faden . Ich trage z. B. keine Neonfarben, nichts zu krasses. Alle meine Kleider und Röcke sind farblich gedeckt, pastellig oder warm und nur ein wenig leuchtend. Zudem haben sie den romantischen, zarten Grundton gemeinsam. An diesem Punkt treffen sich doch irgendwie das weiße Spitzenkleid aus dem 19. Jahrhundert und das geblümte Hippiekleid, oder?

Meine Renaissance-Kleider von Gunne Sax sehen übrigens gar nicht sooo gothic-mäßig aus, vor allem wegen der Farben. Sie sind cremeweiß, erdfarben, weinrot, blau, ... Ich glaube, ich hab bisher nur ein einziges schwarzes in 'nem Onlineshop entdeckt und das war geblümt .

Hm ... das mit dem Auftragen kann man nicht pauschalisieren. Ballonärmel tragen z. B. gar nicht auf, sondern lassen eher noch die Unterarme zierlich wirken, sofern sie nicht zu "puffig" sind. Ist dies doch der Fall, dann hab ich folgenden Trick, damit die Nackenregion nicht zu gedrungen aussieht: Haare hochstecken! Und bunt darf ein Kleid ruhig sein, nur die Muster sollten nicht zu groß bzw. kontrastreich ausfallen. DAS trägt nämlich schon auf. Aber bunte Millefleurs oder kleine Längsstreifen z. B. gar nicht. Und ein großes Blumenmuster macht nicht dick, wenn es nur den Brustbereich und den unteren Rockteil ziert und die Taillenregion ausgespart wurde und dunkel ist. Und so weiter und so fort ...
Bei den schulterfreien Kleidern stimme ich dir aber zu. Und taillierte Schnitte schmeicheln auf jeden Fall der Figur - sofern man sich nicht gerade den Bauch vollgeschlagen hat . In dem Fall greife ich lieber zu Kleidern mit Empire-Taille.

Ich denke nicht, dass in mir das Lebensgefühl und Gedankengut einer vergangenenEpoche weiter existiert. Ich bin in meinen Ansichten doch ein recht moderner Mensch. Nein, halt - ich lege viel Wert auf Höflichkeit und gepflegten Ausdruck ( also kein "ey, Alda" *g*). Das wird ja manchmal als altmodisch betrachtet. Aber das war's auch schon?! Hm, ich trage Vintage wohl eher, weil ich ein romantisch- sehnsuchtsvoller und "rückwärtsgewandter" Mensch bin. Es gibt Leute, die ständig Karrierepläne schmieden und Folgen kalkulieren und dann diejenigen, die über die Natur ihrer Mitmenschen, über den Hergang der Dinge und Ursachen philosophieren. Ich gehöre zur letzteren Gruppe. Ich denke oft und gern an Vergangenes. Und ich sehne mich ständig nach Dingen, die ich schwer oder gar nicht erreichen kann. Der Prinz auf dem weißen Pferd, um mal in die Klischeekiste zu greifen. Nostalgische Kleidung ist daher ein Ausdruck meines Lebensgefühls.

So ein Mode-Lemming bin ich also auch nicht. Mein Kleidergeschmack hat tiefere Gründe und ich mochte Rüschenkleider und altertümliche Gebäude schon als Kind.
(Ich mag diese Püppchen übrigens auch nicht. Bei uns tragen die keine Petticoats, sondern 70er-Taschen ... laufen sonst aber schlicht und gewöhnlich wie eh und je 'rum. Feigheit ! Dann sollen sie doch wenigstens richtig experimentieren, anstatt einen neuen Trend immer nur häppchenweise auszukosten. Vielleicht würden sie sich so schneller selbst finden. Aber nein, bloß nicht auffallen und aus der Reihe tanzen, das ist die Devise ...)

Und du lebst wirklich die Fifties? Wie äußert sich das?

Viele Grüße!

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9. Juli 2009 um 21:37

Ein Foto ...
Ich habe hier einen Link für dich:

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=38 0132506416&viewitem=&sspagenam e=STRK%3AMEWAX%3AIT&salenotsup ported

Dieser Link führt dich hoffentlich zu der Artikelseite von dem weinroten Kleid, das ich kürzlich auf eBay.com ersteigert habe. Ich hoffe, du kannst das beendete Angebot auch als Nicht-Auktionsteilnehmer sehen.
Ansonsten googel doch mal den Namen "Gunne Sax", da dürfte einiges an Bildern kommen.

Wie findest du das Kleid?

-- Wir haben in Erfurt auch so 'ne Welle, bei uns sind es die 70er, aber nur in der Light-Version. Der Löwenanteil der Mädchen und Frauen kriegt den A**** einfach nicht aus der Bluejeans und traut sich nur mit einer Sattel- oder Beuteltasche, einem ethnisch gemusterten Schal oder allerhöchstens mit einer Hippiebluse auf die Straße. So bin ich zwar theoretisch auch im Trend meiner Stadt, aber praktisch werde ich dauernd doof angeguckt und ernte gehässige Kommentare. Manchmal ist auch ein Lob darunter, aber die meisten Leute scheint mein ungewöhnlicher Kleidungsstil aufzuregen. Ich hab mir schon x-mal den Kopf darüber zerbrochen, WARUM eigentlich. Meine Theorie ist diese: schöne Sachen, vor allem wallende Kleider, symbolisieren Freude und ein Großteil der Menschen wird dies wohl auch so assoziieren, weil zu festlichen, freudigen Ereignissen wie Bällen und Hochzeiten viele Frauen Kleider tragen. Menschen, die auf Freude aggressiv reagieren, sind oft unglücklich und verbittert. Also habe ich es womöglich mit einer Art Neid zu tun?! Und du auch? Denn du mit deinen leuchtend roten Lippen, dem sinnlichen Haar und den schwingenden Röcken wirst viel positiven Charme versprühen. "Ich genieße das Leben."
Also sicher wird es auch daran liegen, dass ich anders und ausgeflippter gekleidet bin als die Einwohner meiner Stadt. Dafür sprechen ja deine guten Erfahrungen mit den Leuten in deiner Heimatstadt. Wer weiß, vielleicht würde man mich annehmen, wenn viele Erfurterinnen auch mehr als dreimal im Monat zum Rock oder Kleid greifen würden ...

Demnächst werde ich ja nach Berlin ziehen (zwecks Studium). Ich habe schon in einem anderen Thread dieses Forums gelesen, dass Berlin momentan sehr hippig sein soll. Ich bin unglaublich gespannt, wie es mir dort ergehen wird.

Das mit den Goth-Kleidern wusste ich noch nicht. Ich dachte bisher immer, sie seien entweder ganz schwarz, schwarz-rot oder schwarz-lila. Aber ich kenne mich auch nicht in der Szene aus. Naja, man lernt immer dazu.

Oh ja, mir ist es auch sehr wichtig, weiblich zu wirken. Wobei ich mich doch noch einem anderen Frauenbild zuordne bzw. es anstrebe. Ich werde mal versuchen, es zu erklären *schwierig*. Also es ist irgendwie zweigeteilt ... Einmal ist es ein Strand, leergewaschen. Mein Teint ist blass und die Sommersprossen sind wie kleine Sandkörner darauf. Die klare Sicht bis zum Horizont ist gewaltig wie Millionen Tonnen Glas und doch ist es so leicht, irgendwohin, weiter in Richtung nirgendwo, voranzukommen. In einer Nische der Steilküste wiegt sich vertrockneter Seetang im Wind. Gebogen wie krauses Frauenhaar, grazil, störrisch, selbst in die Nischen passt er nicht hinein, es schaut immer ein Stück heraus. Hier ein Stück, da ein Stück. Weit gereistes Strandgut. Man könnte sagen, so lang es noch von der Strömung getrieben wurde, war es Meergut. Und nun ist es an irgendeinem unbekannten Strand gelandet.
So weit die erste Seelenlandschaft. Ich denke, auf meinem Foto verkörpere ich sie. Das blasse Blau ... und das Kleid ist weit und fließend. Ich wirke darin auch halbwegs grazil und androgyn.
Und die zweite Landschaft -- Abends im Wald, es dämmert schon. Die Borke der Fichten ist entflammt und neben dir knacken die Äste, aber nicht das glühende Auge der Sonne schaut dir entgegen, sondern die Schwärze. Hinter den ersten Stämmen wird es dunkel. Sicherlich könnte ich dort hervorhuschen wie eine kleine Elfe im weißen Kleidchen, aber viel eher bin ich die Hitze der Erde ... die Hitze, die ganz in sich selbst ruht und nur manchmal hervorbricht. Dort drüben ist ein ehemaliger Stollen, aus dem eine eisenhaltige Quelle entspringt. Ein roter Teich. (Gibt's wirklich - Erzgebirge, Falkenau; dort in der Nähe habe ich mal gewohnt.)
Das war nun meine sinnliche Seite. Mit ihr assoziiere ich vor allem meine Indien-Kleider.

(............ Und ich hoffe du bist nicht so ein Freud-Freak wie meine eine Freundin . Sie hätte jetzt sicher 'ne tolle Interpretation auf Lager!)

Weiterhin hoffe ich, dass du mit den Metaphern doch irgendwas anfangen kannst.

Und wie äußert sich das nun? -- Fast kein Make-up, Wasserfarben und weiß, eine möglichst androgyne Silhouette (durch Empire-Taille z. B.) ... die stille Frau, die keiner so richtig kennt und begreift. Und doch: wallende Kleider, auch mal ein tiefer Ausschnitt, leuchtendes Rot und Lila, warmes Cognacbraun, erdiges Dunkelbraun ... die Kämpferin, die auch mal richtig ausrasten kann; die Genießerin.

Hast du eigentlich von Natur aus Locken oder machst du dir sie? Meine sind ja Naturkrause ... Inzwischen mag ich sie sehr, früher stand ich mit ihnen immer auf Kriegsfuß.

So, nun hab ich aber wirklich genug geschrieben *g*.

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9. Juli 2009 um 21:39

Huch ...
... ich hab gerade gesehen, der Link stimmt nicht ganz. Das "salenotsupported" am Ende gehört zusammengeschrieben.

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13. Juli 2009 um 21:23

So, da bin ich wieder !
Schade, dass der Link nicht funktioniert. Aber ich denke, ich werde dir das Kleid hier auf goFeminin zeigen, sobald es seine Reise über den großen Teich beendet hat und bei mir eingetroffen ist. Ich habe ja inzwischen auch ein Fotoalbum angelegt. Erst wollte ich das nicht tun, denn kaum drei Tage nach meiner Anmeldung hatte ich schon die erste dumme Anmache im Postfach . Aber dann dachte ich mir: was ist schon dabei? Ich in meinen Kleidern, das ist nicht mehr, als Hinz und Kunz nachmittags in der Stadt von mir sehen. Oder ...? Naja, ich habe mich jedenfalls überwunden. Du kannst dir das Album ja mal ansehen. Es zeigt nicht alle meine Kleider, aber einen Teil und ich werde demnächst immer wieder Fotos hinzufügen.

Auf meinem neuen Profilbild trage ich übrigens mein momentanes Lieblingskleid. Es ist auch von Gunne Sax. Dieses war wirklich teuer, so etwa 120 Dollar, aber solche Preise sind auf eBay nicht die Regel. Das unifarbene weiße Kleid im Album hat z. B. nur 30 Dollar gekostet.

Deinen Tip bezüglich der Goth-Shops werde ich berücksichtigen, sobald ich umgezogen bin. Ich wüsste nicht, dass es in Erfurt irgendwo so einen Laden gibt und auch in Jena bin ich bisher noch auf keinen gestoßen. Aber in Berlin finde ich bestimmt Gothik-Kleider.

Jaa, das Schreiben gehört zu meinen liebsten Hobbys ! Bist du auch kreativ?

Also Locken sind schon was Tolles, vor allem dann, wenn man dünnes Haar hat, so wie ich. Aber ich muss auch etwas Arbeit in meine Mähne stecken, damit sie sich schön kräuselt. Morgens muss ich sie nass machen, um sie gut kämmen zu können und dann je nach Zeitbudget föhnen oder an der Luft trocknen lassen. Würde ich mein Haar trocken kämmen, dann wäre es wohl bald noch dünner und würde außerdem nach nichts aussehen, einfach nur fitzig und irgendwie glatt mit ein paar großen Wellen drin, dabei aber doch noch sehr bauschig.
Deswegen hat gesundes, kräftiges, glattes Haar auch was für sich, finde ich .

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16. Juli 2009 um 21:55

Kleid ist da !
Das weinrote Kleid von Gunne Sax ist heute bei mir eingetroffen. Ich habe es gleich anprobiert und ein paar Fotos gemacht. Sie sind in meinem Album zu sehen.

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