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"Biederkeit" in der Herrenmode heute - die Gründe!

10. November 2009 um 0:53

Ich hab mir jetzt hier einige Stränge durchgelesen, in denen sich über die in den letzten Jahrzehnten zugenommene Biederkeit, Beschränktheit, Mutlosigkeit und den Konservatismus in der heutigen Herrenmode beschwert wird. Doch was sind die Gründe dafür? Meiner Meinung liegen sie in den Impulsen die aus der heutigen Popkultur kommen. Die Popkultur war nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer der maßgebliche Faktor für die Entwicklung männlicher Mode bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sogar teilweise bis in die Welt der reiferen Erwachsenen hinein.

Ende der 50er ging's los: die Militärhaarschnitte der Kriegsgeneration wurden auf den Köpfen junger Männer in Elvis-mäßige Schmalztollen umgewandelt - ganz zum Entsetzen der Alten. Gleichzeitig wurden Jeans getragen, natürlich "eng", weil das war jung, provokant und geil.

Mitte der 60er wurden die Haare an den Seiten, auf der Stirn und im Nacken länger: die Beat-Ära der Pilzköpfe hatte begonnen. Gleichzeitig kauften Millionen junge Männer hochhackige Stiefeletten, auch Chelsea- oder Beatles-Boots genannt. Ab Ende der 60er waren die Einflüsse der Hippie- und Rockerkultur bei einem Großteil der männlichen Jugendlichen nicht mehr zu übersehen.

Um 1973 kamen Plateau-Stiefel in Mode. Zur Überraschung der Hersteller wurden diese zu Hauf von jungen heterosexuellen Männern gekauft, obwohl die Industrie zuerst nur Frauen und Schwule als Zielgruppe anvisiert hatten (Zu sehen übrigens in der kürzlich in der ARD ausgestrahlten Reihe "60 x Deutschland. Das Jahr 1973"). Die damals oberhippen Glamrocker von The Sweet, T.Rex und Slade haben zu diesem Verhalten wohl entscheidend beigetragen.
Die bunte Mode der ehemaligen Subkulturen war nun vollständig in die männliche Massenmode übergangen. Nun trugen auch Männer von 25-45 taillierte Hemden, taillierte Sakkos, enge Hosen mit Schlag, enge Lederjacken, Pelzmäntel (z.B. Gerd Müller und Franz Beckenbauer!!!) Stiefeletten mit hohen Absätzen und auf den Köpfen wallerte die ein oder andere Matte. Erinnert sich jemand daran, wie Vorzeige-Playboy und Millionenerbe Gunther Sachs zu dieser Zeit aussah? Tailliertes Hemd (gerne auch in Seide(!)) bis zum Bauchnabel aufgeknöpft, um den Hals 'ne fette Goldkette bis zum Bauchnabel baumelnd und die weiße Hüftschlaghose saß am Arsch und an den Oberschenkeln knalleng. Das war der männliche Schickeria-Look von Kampen/Sylt bis München/Schwabing.
So ähnlich ging es weiter bis in die Disco-Ära der späten 70er, als Plateau schon durch die Block- und Cuban-Heel-Stiefeletten ersetzt worden war.

Anfang der 80er waren dann neue Jugendkulturen tonangebend: die Punks, die New-Waver und natürlich die Popper! Disco war out, genauso wie die ganzen alten Hippies und Rocker mit ihren "ekeligen langen Haaren". Um sich von diesen Kulturen abzuheben wurden die Haare nun wieder kürzer und gerade bei den Poppern war ein betont konservativer Wall-Street-Business- oder Dandy-Look (Brian Ferry/Roxy Music) angesagt. Der Hippie- und Rocker-Look lebte in den 80ern bei den Öko-Freaks (die Grünen) und in der boomenden Hardrock/Heavy-Metal-Szene noch etwas weiter. Maßgebend für die männlichen Mitläufer-Jugendlichen waren jedoch die Popper. Anfangs von Kindern aus reichem CDU/FDP-Elternhaus massenmodisch etabliert, wollten spätestens ab Mitte der 80er auch viele proletarische Jugendliche ihren BOSS-Pulli oder ihr Lacoste-Polohemd, kombiniert mit Karottenjeans zu Burlington-Socken in Lumberjack-Moquasins haben. Wie immer schlugen die Errungenschaften der Jugendkultur bis in die Modewelt der Erwachsenen durch.

Ab Ende der 80er nahm die Acid-House-Welle vorweg, was in den 90ern die eigentlich letzte große epochale musikalische und modische Trendwende einläuten sollte: Techno! Zu harten Techno-Sounds passten vor allem militärische Outfits am besten: ultrakurze Haare, Tarnhosen, Bomberjacken von Aplha-Industries, klobige Turnschuhe mit Profilsohle wie von Buffalo. Der alte 80er-Hardrock wurde durch die Welle des Grunge-und Alternative-Rock auf dem Friedhof der Musikgeschichte beerdigt und gleichzeitig flogen nun auch die letzten Jacken und engen Hosen aus schwarzem Nappaleder auf den Müll, samt der zu "Mantaletten" verspotteten Cowboystiefel. Stattdessen waren Holzfällerhemden und Schlabberjeans angesagt- alles schön weit geschnitten, "slackermäßig" eben. Überhaupt musste nun alles weit sein. Gerade in der Hip-Hop-Szene, die in den 90ern und besonders ab den 2000ern neben Techno und House zur größten modischen Jugendkultur aufsteigt. XXL ist jetzt ein Gütesiegel, die Hose muss weit sein und am Arsch hängen (wie bei den älteren Männern, bei denen die Hose hinten allerdings nur hängt, weil sie ihr karottiges Billig-Modell aus dem Adler-Markt immer so tief unter ihrer Wampe zuknöpfen müssen). Enge Jeans gelten auf einmal als schwul, was besonders von den extrem homophoben Hip-Hoppern betont wird, deren Szene ohnehin stark von jungen Immigranten aus dem Orient frequentiert wird, die für sowas kein Verständnis haben. Dass männliche Knackärsche in engen Jeans jahrzehntelang ein hoher attraktivitätsfaktor bei jungen Frauen war, und überhaupt nichts mit schwul zu tun hatte, daran kann sich die heute jüngere Generation nicht mehr erinnern.
Wie immer reichen diese Trends bis in weite Teile der Erwachsenenwelt hinein. Heute sieht man Männer Ü30 in Tarnhose oder mit quer gestellter Hopper-Mütze Kinderwagen durch die Gegend schieben, als wenn sie selber nicht mehr Erwachsen werden wollen. Am besten noch bis zum Hals hoch tätowiert.
Wer es nicht ganz so auffällig hässlich und geschmacklos mag, findet sein Seelenheil in der sportlich-pragmatischen Biederkeit der Trekking-Welt. Auch die mittlerweile etablierten und bürgerlich gewordenen Anhänger der früheren Öko-Szene fahren voll auf Jack Wolfskin ab: Anoraks und Trekking-Schuhe wohin man schaut - so sieht die deutsche Fußgängerzone aus.
Zusammenfassend lässt sich sagen: In weiten Teilen lieben es Männer heute entweder betont asozial/pubertär oder betont unauffällig.

Jugendkulturen wurden übrigens immer von Männern etabliert. Mädchen wurden integriert und mitgezogen, der vordergründige Look war aber immer der der männlichen Jugendlichen.

Weil männliche Mode im Gegensatz zur weiblichen Mode
nie Anhängsel oder Spielerei, sondern immer Ausdruck sozialer und politischer Einstellung war und ist, tut sie sich so schwer damit, sich zu ändern. Es nun gibt nun schon seit zehn bis 15 Jahren keine wirklich neuen popkulturellen Impulse mehr, die irgendeinen Wechsel in der Gesellschaft und damit auch in der Männermode bewirken könnten. Männermode ist also mehr als Frauenmode immer an gesellschaftlichen Wandel gebunden. Die gesamten 2000er waren eigentlich nichts weiter als ein verlängertes Nachspiel der zweiten Hälfte der 90er. Und es ist keine Änderung in Sicht. Wärend bei Frauen ein Retro-Trend den anderen jagt, ist Männermode aus oben gennanten Gründen dafür immun. Sie verharrt deshalb weitgehend - bis auf wenige Ausnahmen - in dem Kuddelmuddel der letzten zehn Jahre.

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10. November 2009 um 9:59

Interessanter Diskussionsansatz
Aber leider im falschen Unterforum. Hier liest wohl kaum einer mit, denn wer interessiert sich schon für "Herrenmode", die eigentlich nicht wirklich existent ist?
Poste den gleichen Text nochmals ins allgemeine Modeforum, dann sollten auch Reaktionen kommen

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10. Januar 2010 um 13:30

"waren dann neue Jugendkulturen tonangebend ..."
Deiner Analyse kann ich weitgehend zustimmen. Ein paar Facetten kann man vielleicht noch anfügen: die aufgeführten Trends - z.B. in den frühen 1980er Jahren - waren natürlich immer auch etwas überlagert von den Revival-Trends, die von der Modeindustrie in jedem neuen Jahrzehnt propagiert wurden und werden, z.B. die Bomberjacken der 1980er Jahre.
Aber im Grundsatz sehe ich es ebenso: die jugendliche Popkultur war nach dem 2. Weltkrieg weitgehend stilprägend für die Mode.

Warum das vielleicht nicht mehr so ist ?
1.
Das Internet hat die Stilsetzungsmacht der Popmusikindustrie weitestgehend "geshreddert", die Musiklabels kämpfen ja eigentlich nur noch ums Überleben, weil die jungen Leute ihre Musik heute weitgehend kostenlos aus dem Netz saugen. Das führt zu einer völligen Zerfaserung der Stilrichtungen, denn jede Subkultur kann sich dort holen, was ihr gefällt ...
2.
Die westlichen Gesellschaften altern seit Jahrzehnten. Der Anteil der über 40jährigen, der Modeinteresse erfahrungsgemäß geringer ausfällt als dasjenige der Jüngeren, nahm in den letzten Jahrzehnten massiv zu. Das prägt auch das Straßenbild, in dem die Jüngeren mittlerweile die Minderheit bilden und schon dann ein wenig auffallen, wenn sie sich nur überhaupt (aktuell) modisch kleiden. Die Dynamik in dieser Entwicklung dürfte aber langsam abnehmen (bezogen auf die über 40jährigen, noch icht bezogen auf die Rentnergeneration).
3.
Es gibt schon neue Jugendbewegungen im letzten Jahrzehnt, man denke nur an die Emo-Welle oder an Bands wie Tokyo Hotel, die für einen Teil der Jüngeren schon stilprägend waren. Die Aggressionen der anderen gegen diese sind aber enorm (man denke nur an den Slogan "Kill Emos", der ja selbst unter Punkern populär war/ist).
4.
Sollte es zutreffend sein, dass bislang solche Jugendkulturen von den männlichen Jugendlichen erzeugt wurden (einiges spricht ja dafür), dann muss man sich vielleicht dem aktuellen Schlagwort "Krise der Männlichkeit" zuwenden. Dazu gehören alle Facetten, angefangen von den zunehmend in Sachen Bildung ins Hintertreffen geratenden männlichen Jugendlichen, über den - nach Meinung mancher Feministinnen zu beobachtenden - Zeugungsstreik des Mannes bis hin zu der zunehmenden medialen Präsenz der Frauen (z.B. Nachrichtensendungen, Sportsendungen, Popmusik etc.).

Vielleicht liegen darin auch einige Ursachen, die zu dem mittlerweile völlig auseinander driftenden modischen Erscheinungsbild von Männern und Frauen beigetragen haben ...

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18. Januar 2010 um 17:23
In Antwort auf bart_12306454

"waren dann neue Jugendkulturen tonangebend ..."
Deiner Analyse kann ich weitgehend zustimmen. Ein paar Facetten kann man vielleicht noch anfügen: die aufgeführten Trends - z.B. in den frühen 1980er Jahren - waren natürlich immer auch etwas überlagert von den Revival-Trends, die von der Modeindustrie in jedem neuen Jahrzehnt propagiert wurden und werden, z.B. die Bomberjacken der 1980er Jahre.
Aber im Grundsatz sehe ich es ebenso: die jugendliche Popkultur war nach dem 2. Weltkrieg weitgehend stilprägend für die Mode.

Warum das vielleicht nicht mehr so ist ?
1.
Das Internet hat die Stilsetzungsmacht der Popmusikindustrie weitestgehend "geshreddert", die Musiklabels kämpfen ja eigentlich nur noch ums Überleben, weil die jungen Leute ihre Musik heute weitgehend kostenlos aus dem Netz saugen. Das führt zu einer völligen Zerfaserung der Stilrichtungen, denn jede Subkultur kann sich dort holen, was ihr gefällt ...
2.
Die westlichen Gesellschaften altern seit Jahrzehnten. Der Anteil der über 40jährigen, der Modeinteresse erfahrungsgemäß geringer ausfällt als dasjenige der Jüngeren, nahm in den letzten Jahrzehnten massiv zu. Das prägt auch das Straßenbild, in dem die Jüngeren mittlerweile die Minderheit bilden und schon dann ein wenig auffallen, wenn sie sich nur überhaupt (aktuell) modisch kleiden. Die Dynamik in dieser Entwicklung dürfte aber langsam abnehmen (bezogen auf die über 40jährigen, noch icht bezogen auf die Rentnergeneration).
3.
Es gibt schon neue Jugendbewegungen im letzten Jahrzehnt, man denke nur an die Emo-Welle oder an Bands wie Tokyo Hotel, die für einen Teil der Jüngeren schon stilprägend waren. Die Aggressionen der anderen gegen diese sind aber enorm (man denke nur an den Slogan "Kill Emos", der ja selbst unter Punkern populär war/ist).
4.
Sollte es zutreffend sein, dass bislang solche Jugendkulturen von den männlichen Jugendlichen erzeugt wurden (einiges spricht ja dafür), dann muss man sich vielleicht dem aktuellen Schlagwort "Krise der Männlichkeit" zuwenden. Dazu gehören alle Facetten, angefangen von den zunehmend in Sachen Bildung ins Hintertreffen geratenden männlichen Jugendlichen, über den - nach Meinung mancher Feministinnen zu beobachtenden - Zeugungsstreik des Mannes bis hin zu der zunehmenden medialen Präsenz der Frauen (z.B. Nachrichtensendungen, Sportsendungen, Popmusik etc.).

Vielleicht liegen darin auch einige Ursachen, die zu dem mittlerweile völlig auseinander driftenden modischen Erscheinungsbild von Männern und Frauen beigetragen haben ...


Vor allem: wer führt denn heutzutage die Charts an? Waren es bis in die 90er vorwiegend männliche Bands und Interpreten, so sind die Musikplatzierungen heutzutage gefüllt von Mädels: Kelly Klarkson, Pink, Rihanna, Leona Lewis, Lady Gaga, Agnes, Marit Larsen, Cascada, Beyoncé, Madonna, Juli, Silbermond, usw. Die paar Herren der Schöpfung (Robbie Williams, Xavier Naidoo, Peter Foxx, etc.) sind so brav und anständig und treten bereits freiwillig im Anzug auf. Da ist nichts mit Rebellion und modischen Impulsen. Und Tokio Hotel ist eben zu einzigartig. Zu selten und zu extrem, als dass Heerscharen männchlicher Kiddies nun auch zu Kajal und bauchfreiem Top greifen wollten.
Außerdem ist unsere Wohlstandsgesellschaft nicht zu dünn (wie Bill Kaulitz), sondern zu dick. Da kommt der Ghetto-Style mit der zu großen und tief sitzenden Pants oder die Jack Wolfskin Bekleidung, welche Problemzonen verdeckt, gerade recht.

Es fehlt uns an Vorbildern, zu denen man aufschauen kann und mag. Die findet man nicht mal mehr im Kino. Das sind dann - 007 mal außen vor - bestenfalls Typen wie der nette Nachbar von nebenan, der rein zufällig die Welt vor dem Untergang rettet.

Die Rebellion, wie sie auch von der Popkultur gepflegt und beeinflusst wurde, die Freiheit des Andersseins/ der Abgrenzung von der vernünftigen, erwachsenen Welt, ist mit den 1980ern eigentlich ausgestorben.
Die 1968er Generation, bishin zur Friedens- und Ökobewegung brach mit vielen liebgewordenen Regeln. Doch wenn man sich heutzutage auf der Straße umsieht, scheint sich nachhaltig nicht viel getan zu haben. Der Mann trägt wieder/ weiterhin farblose Anzüge.
Es gibt nicht mal mehr Klischees. Der Öko fährt genauso Mercedes, wie der Chef vom Atomkraftwerk; der Schwule trägt ebenso farblose Anzüge wie sein Hetero-Kollege.

Schlimmer noch: die Hippies von damals sind die Konservative(re)n von heute. Ich glaube kaum, dass jemand einen Job bekäme, der sich bei Joschka Fischer mit Turnschuhen vorstellen würde.

Woher sollen da noch Impulse kommen?

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22. Januar 2010 um 7:38
In Antwort auf hansi1973


Vor allem: wer führt denn heutzutage die Charts an? Waren es bis in die 90er vorwiegend männliche Bands und Interpreten, so sind die Musikplatzierungen heutzutage gefüllt von Mädels: Kelly Klarkson, Pink, Rihanna, Leona Lewis, Lady Gaga, Agnes, Marit Larsen, Cascada, Beyoncé, Madonna, Juli, Silbermond, usw. Die paar Herren der Schöpfung (Robbie Williams, Xavier Naidoo, Peter Foxx, etc.) sind so brav und anständig und treten bereits freiwillig im Anzug auf. Da ist nichts mit Rebellion und modischen Impulsen. Und Tokio Hotel ist eben zu einzigartig. Zu selten und zu extrem, als dass Heerscharen männchlicher Kiddies nun auch zu Kajal und bauchfreiem Top greifen wollten.
Außerdem ist unsere Wohlstandsgesellschaft nicht zu dünn (wie Bill Kaulitz), sondern zu dick. Da kommt der Ghetto-Style mit der zu großen und tief sitzenden Pants oder die Jack Wolfskin Bekleidung, welche Problemzonen verdeckt, gerade recht.

Es fehlt uns an Vorbildern, zu denen man aufschauen kann und mag. Die findet man nicht mal mehr im Kino. Das sind dann - 007 mal außen vor - bestenfalls Typen wie der nette Nachbar von nebenan, der rein zufällig die Welt vor dem Untergang rettet.

Die Rebellion, wie sie auch von der Popkultur gepflegt und beeinflusst wurde, die Freiheit des Andersseins/ der Abgrenzung von der vernünftigen, erwachsenen Welt, ist mit den 1980ern eigentlich ausgestorben.
Die 1968er Generation, bishin zur Friedens- und Ökobewegung brach mit vielen liebgewordenen Regeln. Doch wenn man sich heutzutage auf der Straße umsieht, scheint sich nachhaltig nicht viel getan zu haben. Der Mann trägt wieder/ weiterhin farblose Anzüge.
Es gibt nicht mal mehr Klischees. Der Öko fährt genauso Mercedes, wie der Chef vom Atomkraftwerk; der Schwule trägt ebenso farblose Anzüge wie sein Hetero-Kollege.

Schlimmer noch: die Hippies von damals sind die Konservative(re)n von heute. Ich glaube kaum, dass jemand einen Job bekäme, der sich bei Joschka Fischer mit Turnschuhen vorstellen würde.

Woher sollen da noch Impulse kommen?

"Woher sollen da noch Impulse kommen?"
... sehe ich im Grundsatz weitgehend genauso.

Ja, die mediale Präsenz der Frauen, insbesondere in der Popmusik, ist mittlerweile schon sehr beachtlich, wobei ch mir bislang nicht sicher war, ob das nur mein ganz subjektiver Eindruck oder nicht doch eher zunehmende Realität ist. Einerseits ist es natürlich irgendwie auch gerecht, dass die Frauen sich nicht mehr alles von den Männern "vorexerzieren" lassen. Andererseits müssen Männer in einer solchen Welt auch langsam lernen, dass allein des ständige Wiederholen althergebrachter männlicher Rituale dagegen zunehmend nicht mehr wirklich gut "anstinken" kann.

Ich habe da aber noch ein wenig Hoffnung, gerade wenn ich an Bands wie Tokyo Hotel, Cinema Bizarr u.a. denke ...
Der Umbruch der Stilrichtungen in der Popmusik und auch in der Mode braucht vielleicht einfach ein bißchen Zeit und viel geduldige Arbeit daran ...

PS: gestern habe ich einen Mann in einer knallgelben Jeans gesehen. Ja, ja, eigentlich sollte sowas nicht der Rede wert sein ... aber immerhin ein Anfang ist es ja doch, oder ... ?

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22. Januar 2010 um 9:36

Stört mich nicht
Da ich sowieso einen eher klassisch-konservativen Kleidungsstil bevorzuge, stört mich die "Biederkeit" in der Herrenmode eigentlich überhaupt nicht. In der klassischen Herrenkleidung habe ich m.E. genug Auswahl um mich abwechslungsreich zu kleiden und dabei die Form zu wahren.

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29. März 2010 um 18:00
In Antwort auf teerpirat

Interessanter Diskussionsansatz
Aber leider im falschen Unterforum. Hier liest wohl kaum einer mit, denn wer interessiert sich schon für "Herrenmode", die eigentlich nicht wirklich existent ist?
Poste den gleichen Text nochmals ins allgemeine Modeforum, dann sollten auch Reaktionen kommen

""Herrenmode", die eigentlich nicht wirklich existent ist ..."
... na ja, ich will ja auch nicht unbedingt behaupten, dass es in den zurückliegenden Jahren noch so etwas wie "Mode" für den Herrn gegeben hätte.
Aber gerade um diesen misslichen Zustand zu ändern, sollte man sich doch vielleicht zunächst die Ursachen dafür bewusst machen.
Und das hier ist halt nun mal das Unterforum "Herrenmode" ... wo würde diese Diskussion also thematisch besser hineinpassen als hier ...

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29. März 2010 um 21:33
In Antwort auf bart_12306454

""Herrenmode", die eigentlich nicht wirklich existent ist ..."
... na ja, ich will ja auch nicht unbedingt behaupten, dass es in den zurückliegenden Jahren noch so etwas wie "Mode" für den Herrn gegeben hätte.
Aber gerade um diesen misslichen Zustand zu ändern, sollte man sich doch vielleicht zunächst die Ursachen dafür bewusst machen.
Und das hier ist halt nun mal das Unterforum "Herrenmode" ... wo würde diese Diskussion also thematisch besser hineinpassen als hier ...

Die Ursachen ...
... sind doch bekannt. Und nun? Außer Ächtung des vorherrschenden Männerbildes und Ausleben eines vollständigeren Selbsts fällt mir nicht viel ein.

LG
Madinside

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24. April 2010 um 23:05

Detail am Rande eventuell zu beleuchten
als erstes möchte ich diese fundierten Ausführungen der Verfasser hier sehr schätzen!
auch ich bin einer der nicht gern gedankenlos alles annimmt was mir vor die Nase gesetzt wird - also auch unzufrieden mit der aktuellen "Mode" ist; grundsätzlich müsste man nicht klagen sondern sich einfach selbst helfen.....
jedoch is es schon doch schwieriger wenn man so wie ich auf die Gunst oder Wohlwollen der Gemeinschaft angewiesen ist.(selbständiger Kaufmann)
Nun zu meinem eigentlichen Kommentar: wollte schon zu bedenken geben das für Männer sicherlich ganz viele Stile und Schnitte die bei Frauen Top sind, aufgrund der Statur und Beschaffenheit des Mannes wirklich nicht nur einfach so übertragbar sind! natürlich würde man es etwas adaptieren müssen/können, um ein optisch gefälliges Bild zu erreichen;
Aber was kann ich jetzt tun? frage ich mich, mich nervt diese öde graue unifarbene Robe , ich verstehe die welt einfach nicht;
aber wir sollten wohl auch zugeben dass die Männer immer auch auf uniformes Handeln und Denken geeicht sind!
also mögen wir dahingehend wirken um doch immer mehr Ausnahmen zu erzeugen - bis dass diese einen ausreichenden Anteil gewinnen um die aktuelle Polarisation umzukehren........
in freundlicher Verbundenheit für meine Mitstreiter
Hubi

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1. März 2011 um 12:43


Würde nicht über die Emanzipation von Frauen schlecht reden. Mann muss sich in dem Fall nur die neuen Möglichkeiten, die die Entwicklung bietet auch zu greifen wissen.
Nur leider sonnen sich viele Männer in Chauvinismus und wollen das "gute Alte", anstatt einmal flexibel zu sein wie Frauen! Da lässt sich nur sagen: Hochmut kommt vor dem Fall!
Der lachende Dritte bin ich. Ich lebe keine Geschlechterstereotype!

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